Zwischenseminar für die Freiwilligen

Reich an Erfahrungen und erweitertem Horizont kommen Joseph und ich beim Seminar auf Sansibar an. Im Hotel treffen wir auf Petra Nicodemus und Jonas Metzger, die das Zwischenseminar leiten werden. Es ist irgendwie schön, bekannte Gesichter zu sehen. Der erste Tag beginnt entspannt mit einer Aufstellungsrunde, in der wir uns bei verschiedenen Themen/Fragestellungen auf einer Skala platzieren sollen. So unterschiedlich die Erfahrungen, so weit auseinander liegen die Positionen. Meine Position ist positiv. Kilolo ist mein Zuhause geworden, und die Zeit ist geprägt von immer enger werdenden Bindungen zu den Mamas und Kindern und meinem ganz persönlichen Lernprozess.

Den ersten Tag schließen wir mit einer persönlichen Reflexionsrunde ab, bei der wir in einem Notizbuch Fragen über das letzte halbe Jahr für uns selbst beantworten. Sich in die letzten Monate hineinzuversetzen tut gut, um zu verstehen, wie viel bereits passiert ist und welche Entwicklung sich in kürzester Zeit abgespielt hat. Der Input unserer Teamer*innen beschränkt sich an diesem Tag auf die Fragen zum Reflektieren. Sie geben uns Raum, uns bewusst damit auseinanderzusetzen: Was sind meine Erfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt gewesen? Auf welche Ereignisse schaue ich traurig, frustriert oder mit allgemeiner Freude zurück? Was sind meine Errungenschaften? Worauf bin ich besonders stolz? Mit einem gemeinsamen Abendessen und interessanten Gesprächen wird der Tag abgerundet.

Am zweiten Tag steht ein Zeitstrahl auf dem Programm, in dem jede*r Einzelne die letzten Monate und die jeweiligen Ereignisse vorstellt. Allgemein tut es gut, sich so intensiv mit seinen Erfahrungen zu beschäftigen. Ich habe mich sehr bestärkt und verbunden mit den anderen in der Runde gefühlt.

Komplett fertig, aber mit emotional leichterem Gepäck, beenden wir so diesen dritten Seminartag. Die Gruppe blüht in den paar Tagen sehr auf und wächst nach meinem Empfinden nochmals enger zusammen.

Den vierten Tag starten wir bereit für weitere Einheiten. Wir beginnen mit der Einheit „Privilegien“, in der wir uns bewusst machen, wie bevorzugt wir durch unsere europäische Herkunft sind, wie wenig Last wir im Vergleich zu vielen Tansanier*innen, die in unserem Alter sind, auf den Schultern tragen. Wir beschäftigen uns mit der Frage: „Wie weit können wir uns von unseren Privilegien entfernen, mit unseren Startvorteilen?“ Dabei wird uns bewusst, wie wichtig es ist, diese anzuerkennen beziehungsweise sich allgemein damit auseinanderzusetzen, dass gewisse Vorteile eben nun einmal bestehen und dass es daher umso wichtiger ist, sich zu sensibilisieren, was Erwartungen und den Umgang mit anderen Menschen betrifft.

Passend wird übergeleitet zur „Rolle als Weiße in Tansania“, bei der wir reflektieren, wie wir wahrgenommen werden und welche Vor- und Nachteile damit einhergehen. Abgerundet wird unser letzter Seminartag mit dem Themenabschnitt „Sinn des Freiwilligendienstes“.

Am nächsten Morgen starten wir mit dem letzten Seminarabschnitt. Während ich mit Petra mein Einzelgespräch führe, geht es bei den anderen um unsere Gruppendynamik und das Zusammenleben. Dabei wird deutlich, dass es in manchen Belangen nicht so einfach ist, mit Menschen zusammen zu leben, die man vorher kaum kannte, und sich gemeinsam zurechtzufinden. Weil die Zeit aber ausläuft, kommen wir noch einmal alle zur letzten Abschlussrunde für Feedback und Reflexion zusammen, um uns dann im Anschluss zu verabschieden.

Ich blicke zurück auf ein für mich sehr positiv verlaufenes Seminar, bei dem wir uns trotz unterschiedlicher Blickwinkel ein Stück näher gekommen sind.

Naa Dede Bonney, Freiwillige