Nach dreizehn Monaten

Nach dreizehn Monaten in einer Schreinerei in Kilolo, Tansania, kehren wir mit so vielen Eindrücken nach Deutschland zurück. Mein Mitfreiwilliger Paul und ich, Christina, hatten von August 2018 bis August 2019 durch den Verein Amani Kinderdorf e. V. die Möglichkeit,im Rahmen des weltwärts-Freiwilligendienstes mit vier tansanischen Schreinern zusammenzuarbeiten. Oft begegnet einem die Frage: „Habt ihr denn ausgebildet?“ Da man hier üblicherweise drei Jahre in einer Schule lernt, hatten wir keine Lehrlinge, viel mehr war es ein voneinander lernen. Es gab verschiedene  Arbeitsweisen und Mentalitäten, abergrundsätzlich hatten unsere Kollegen alle viel mehr Berufserfahrung; außerdem mussten wir uns natürlich erst einmal einfinden. Und obwohl doch jedes Jahr wieder neue, junge Freiwillige aus Deutschland ankommen, sind Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Interesse beeindruckend. Selbst wenn doch die Kommunikation zu Beginn stets etwas hakt,bis das Kiswahili dann besser sitzt, herrschte insgesamt immer eine gute Stimmung in der Werkstatt, sicherlich auch, da der Wirtschaftsdruck hier noch nicht so tief in den Knochen sitzt. Außerdem lohnt es sich, Dinge mit Bedacht zu erledigen, da Material und Werkzeug im Vergleich zu Deutschland bei der Kalkulation mehr ins Gewicht fallen gegenüber der Arbeitszeit des Angestellten. Wir haben das als sehr angenehm empfunden, und auch der Anspruch an das fertige Produkt ist ein ganz anderer. Stabilität und Beständigkeit sind wichtig, doch ein paar Macken in der Oberfläche sind kein Grund, nochmal von vorne anzufangen. 

Des Weiteren hat es mir noch sehr zugesagt, zu wissen, dass unser Strom aus einem Wasserkraftwerk stammt. Dieses hatte der Verein vor Jahren für die Zwecke des Kinderdorfes errichten lassen. Manchmal reicht die Kapazität des Generators oder das Wasser des Flusses nicht aus und es kommt zu Ausfällen, was aber keine Langeweile bedeutet. Meistens haben wir dann die Späne nach draußen gebracht, welche von Hobel und Abrichte angefallen waren, da wir für diese großspänenden Maschinen keine Absaugung besitzen.

Außerdem verwenden wir ausschließlich Massivholz aus der Gegend, was das Schreinerherz höherschlagen lässt.  Die Aufträge reichen von Türen und Fenstern, Arbeiten und Reparaturen in unseren Kinderdörfern, über verschiedenste Möbeltypen bis hin zu Bienenkästen. Dementsprechend kann man sich den Alltag noch wie bei Meister Eder vorstellen: Bohlen werden abgelängt, abgerichtet und ausgehobelt. Dann wird breitenverleimt, oder es werdenSchlitz- und Zapfenverbindungen gefertigt. Als letzter Schritt folgt noch die Oberfläche,wobei leider derzeit nur Lack vor Ort erhältlich ist. 

Wir Freiwilligen können hier nach unserer Ausbildung sehr viel lernen, da nicht genau vorgegeben wird, was wie zu tun ist. Die Tansanier bringen uns Vertrauen und Gelassenheit entgegen, die Kunden sind interessiert an unseren Ideen. So genießen wir sowohl in Gestaltung und Planung als auch bei der Umsetzung viel Freiheit, und da man alle Schritte selbst mitmacht, versteht man Zusammenhänge. 

Die Motivation, dass man nicht nur für den eigenen Geldbeutel arbeitet, sondern unser erwirtschafteter Gewinn über die Deckung unserer Betriebskosten hinaus dem Kinderdorf zu Gute kommt, gibt einem die Chance, das Handwerk als persönliche Leidenschaft mit einem sozialen Aspekt zu vereinen.

Wenn man Lust hat, kann man sich also hier wirklich super einbringen. Die Auftragslage ist durch den guten Ruf auslastend. Denn wir können durch unser trocken gelagertes Holz, den Maschinenpark, der einst aus Deutschland geliefert wurde, sowie durch saubere Oberflächen punkten. 

Alles in allem kann ich den Aufenthalt nur weiterempfehlen und bedanke mich herzlich für die Möglichkeit! Es gibt nicht sehr viele Freiwilligenstellen für Schreiner, aber ich hätte mir auch keine andere auswählen wollen. 

Christina Roser