Globaler Kurswechsel: Tansania zwischen USA, EU und China

Vorbemerkung: Neben Berichten aus unseren Dörfern und vom Freiwilligendienst möchten wir in unserem Newsletter auch auf politische und gesellschaftliche Themen in Tansania und anderen Teilen Afrikas aufmerksam machen. Da diese Themen in deutschen und westlichen Medien oft nur am Rande vorkommen, sehen wir es als unsere Verantwortung, hierüber sachlich zu informieren. Die folgenden Inhalte basieren auf internationalen Quellen, die wir jeweils angeben. Eigene Meinungen fließen nicht ein.

Durch die Nachrichten zu den internationalen, ökonomischen Beziehungen Tansanias der letzten Wochen zieht sich ein roter Faden: Während sich die USA zurückziehen, investieren EU und China massiv in das Land.

Unter Donald Trump wurde die US-Entwicklungsorganisation USAID drastisch geschwächt – personell, finanziell und strukturell. Damit entfallen zahlreiche Programme, die bisher in Tansania wichtig waren: von einfachen Wasserfiltern, die sogar Freiwillige nutzten, über Investitionen ins Gesundheitssystem bis hin zu Krediten für Unternehmen und Landwirtschaft.

Anders die Europäische Union: Sie finanziert über die französische Entwicklungsagentur eine neue Wasseraufbereitungsanlage am Viktoriasee (150 Millionen Euro), durch den das ebenfalls französische Unternehmen TotalEnergies eine umstrittene Rohölpipeline legen möchte. Parallel unterstützt sie über die „Global Gateway Initiative“ den tansanischen Energiesektor mit geplanten drei Milliarden Euro. Dass die EU damit gezielt in Konkurrenz mit China geht, ist kein Zufall.

Über den Viktoriasee führt auch die neulich eingeweihte Magufuli-Brücke, die von China im Rahmen der „Belt and Road Initiative“ finanziert wurde. Auch ein Wasserkraftwerk in Njombe, Glasfabriken in Mkuranga, und der milliardenschweren Ausbau der Eisenbahnen Tansanias zählen zu den gemeinsamen Großbauprojekten.

Was bedeutet dies nun für Tansania?

Für Tansania und weitere historisch ausgebeutete Nationen bedeutet das: Entwicklungszusammenarbeit ist längst kein Akt der Selbstlosigkeit seitens wohlhabender Staaten. Stattdessen ist Tansania ein Spielball im globalen Wettbewerb der ökonomischen Supermächte um sogenannte „frontier markets“. Die kapitalistische Erschließung der natürlichen und menschlichen Ressourcen Tansanias ist eine gewinnbringende Investition in einem postkolonialen Zeitalter, wirft aber Fragen der sozioökonomischen Nachhaltigkeit auf.

Oft fließen Kredite zurück an ausländische Baukonzerne. Für tansanische Arbeiter bleiben wenig Know-how, kaum langfristige Jobs und wachsende Schulden. Damit wächst die Abhängigkeit vom Ausland – während gleichzeitig die Hoffnung auf schnelleres Wachstum bleibt. Einmal angestoßen, ist dieser Prozess schwer aufzuhalten und nimmt wenig Rücksicht auf Umweltschutz oder die Interessen der arbeitenden Bevölkerung. Ob sich diese Investitionen als faire Partnerschaften oder als gefährliche Abhängigkeit erweisen, ist offen.

Quellenangaben

Alle Websites wurden am 15. August 2025 abgerufen.

Global Gateway:

USAID:

China’s Investitionen:

TotalEnergies EACOP:

Magufuli Bridge:

EU-Wasserprojekt