Erica Mwakalebela

Dorfleiterin in Kilolo: Mama Erica

Dorfleiterin in Kilolo: Mama Erica

Mama Erica – für uns ein ungewöhnlicher Name. Anders in Tansania. Dort drückt sich in diesem Namen eine hohe Wertschätzung aus. Als Frau, Mutter, ehemalige Lehrerin und als Leiterin des Kinderdorfs ist sie weithin bekannt und geachtet.

Seit 2006 ist sie im Kinderdorf in Kilolo angestellt, 2007 übernahm sie die Leitung in der Nachfolge von Ursula Lettgen, der Gründerin des Kinderdorfs. Damals lebten 65 Kinder in fünf Häusern. Unter Mama Ericas Leitung wurde das sechste Haus gebaut, die Näherei eingerichtet, und es wurden weitere Kinder aufgenommen. Aktuell sind es 96 Kinder, davon leben allerdings viele ältere in Internaten.

Während der Woche lebt Mama Erica im „Staffhouse“. Dort finden auch Besprechungen statt, sie empfängt dort Gäste und isst dort gemeinsam mit den Freiwilligen und Besuchern des Vereins.

Beeindruckend ist, wie genau sie die Kinder im Blick hat. Sie kann jederzeit über jedes Kind detailliert Auskunft geben. Frühmorgens um 7 Uhr geht sie durch das Kinderdorf und schaut überall nach dem Rechten. Dieser Kontrollgang kann durchaus eine Stunde dauern, erst dann wird gefrühstückt.

Kinderhäuser, Kindergarten, Garten, Landwirtschaft, Schreinerei, Näherei, eine Menge Arbeit und viel Verantwortung. Sie ist für alle Einkäufe zuständig, zahlt die Gehälter, hält regelmäßig Dienstbesprechungen mit allen Angestellten, hält Kontakt zu Schulen und sucht Ausbildungsplätze für die Kinder. Regelmäßig setzt sie sich auch mit den größeren Kindern zusammen, um über deren Wünsche und Probleme zu sprechen. Sie bemüht sich, den Kontakt zu den Restfamilien der Kinder zu halten und bindet diese nach Möglichkeit in wichtige Entscheidungen ein.

Mit dem Bau des zweiten Kinderdorfs in Kitwiru ist eine weitere Aufgabe hinzugekommen. Jeden Freitagnachmittag besucht sie Kitwiru, um Mama Lucy, der dortigen Leiterin, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Monatlich schickt sie dem Vorstand in Deutschland einen Bericht und steht auch sonst mit den Vorstandsmitgliedern in engem Kontakt.

Schon lange war es ihr Wunsch, einmal Deutschland zu besuchen. So war es 2010 an der Zeit, sie und ihre Tochter Lilian Mbassy hierher einzuladen. Mama Erica hatte keine Vorstellung von Deutschland und auch keine Vorstellung, wie der Vorstand hier arbeitet. Wie sieht die Öffentlichkeitsarbeit aus, wie kommt man an Spenden, wer steht hinter diesen Spenden? Neben der obligatorischen Sightseeing-Tour standen daher auch Begegnungen mit Paten und Spendern und Besuche in Schulen, bei Gruppen und Vereinen auf dem Programm. Das war für beide Seiten bereichernd. Der Abschied aus Deutschland war bewegend, unsere gute Zusammenarbeit profitiert seitdem von einem noch tieferen Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung.