Amani-Kinderdorf

August 2009 Neue Generation von Computerfreiwilligen

Während die Felix in kleineren Gruppen öfter am Computer unterrichten kann, ist Uhlmann verstärkt auf die Methode "talk and chalk" angewiesen.
Felix und Uhlmann auf dem Rückweg eines Einkaufs. Die Einheimischen haben bestimmt geschmunzelt.

Nach einer ausführlichen Phase der Vorbereitung und des Abschiednehmens im Kreise von Familie und Freunden war es Ende Juli 2009 endlich so weit: unsere vier neuen Freiwilligen Johannes Schuricht, Sören Ranis, Felix Idelberger und Felix Uhlmann stiegen in den Flieger nach Tansania. Am Flughafen in Dar es Salaam wurden sie von ihren Vorgängern Joschka Miskiw, Felix Beyer, Lukas Brausch und Samuel Eberenz, die sich in Massai-Tracht gehüllt hatten, stilecht afrikanisch mit Freudensprüngen begrüßt. Die acht blieben erst einmal für ein paar Tage in Dar es Salaam, so dass sich die Neuen an das Leben in Afrika akklimatisieren konnten, bevor es dann an ihre jeweiligen Einsatzorte nach Iringa und Songwe ging. Die Fahrt nach Iringa erfolgte mit einem Überlandbus, der das Hauptverkehrsmittel in Tansania ist, während die Fahrt ins knapp 1000 km entfernt gelegene Mbeya, die Provinzhaupstadt von Songwe, in einer 22-stündigen Fahrt mit dem Expresszug der TAZARA-Eisenbahn zurückgelegt wurde, auf einer von zwei Eisenbahnstrecken des Landes.

In Iringa angekommen, wurden Hannes und Sören erst einmal mit allen für ihre Tätigkeit relevanten Personen bekannt gemacht und auf ihre Arbeit am Ruaha University College (RUCO) vorbereitet. Schnell konnten sie in die bestehenden Kurse einsteigen, so dass ihre Vorgänger schon nach kurzer Zeit in die zweite Reihe zurücktreten konnten. Nach einer guten Woche haben sich Joschka und Felix auch aus dem Freiwilligenhaus zurückgezogen, um ihren Nachfolgern schon bald den Eindruck zu vermitteln: "Das ist jetzt unser Zuhause!" Joschka und Felix fanden Unterschlupf im Projekt der Münsteraner Freiwilligen, die – anders als Amani – keine einmonatige Übergangsphase haben, so dass ihnen deren Schlafräume zur Verfügung standen. Das Konzept von Joschka und Felix, ihre Nachfolger an der langen Leine schnell zur Selbstständigkeit zu führen, ist aufgegangen, wie diese in ihrem ersten Bericht bestätigen. Außerdem sind sie fleißig dabei, mithilfe einer tansanischen Lehrerin Kisuaheli zu lernen. An der RUCO ist die Unterrichtssprache zwar Englisch, aber viele Tansanier, die sie im alltäglichen Leben treffen, sprechen nur die einheimische Landessprache Kisuaheli, so dass es absolut ratsam ist, diese Sprache möglichst bald zu erlernen.

Während sich Sören darauf konzentriert, die bestehenden Kursmodule zu unterrichten, arbeitet Hannes gerade neue Module aus, um der veränderten Nachfrage im Bereich Computerunterricht Rechnung zu tragen. Insbesondere möchte er den Webdesign-Kurs attraktiver gestalten. Außerdem plant er, einen tansanischen Kollegen in der Programmiersprache Java zu unterrichten, damit dieser seine Kenntnisse an die einheimischen Studenten weitergeben kann.

 

Auch die beiden Felixe haben schnell an der Pandahill Secondary School Fuß gefasst. Hier haben die Vorgänger Lukas und Samuel sie ebenfalls schon früh selbstständig arbeiten lassen. Das "Problem", wie man die beiden Felixe auseinanderhalten kann, ist bald gelöst worden: Felix Idelberger ist Felix, Felix Uhlmann ist Uhlmann. Da es in Tansania nicht unüblich ist, dass man sich mit dem Zunamen anredet, klingt es für Tansanier nicht so militärisch wie für uns Deutsche. Ganz so einfach scheint es dann aber doch nicht zu sein, denn "Uhlmann" musste schon recht abenteuerliche Schreibweisen seines Namens lesen ("Willmany" oder "Huhlman"). Er unterrichtet die Jahrgangsstufe Form 2, wohingegen Felix Idelberger die Stufen 3 und 4 übernommen hat. Während "Uhlmanns" Klassen aus bis zu 50 Schüler/innen bestehen, sind die Lerngruppen von Felix überschaubarer. Momentan werden Pläne durchdacht, auch für die gymnasiale Oberstufe, die Forms 5 und 6, Computer Studies anzubieten. Unsere beiden Freiwilligen wären jedenfalls hoch motiviert, hier einzusteigen.

Sie sind – wie ihre Vorgänger –  die einzigen Weißen in Songwe und wurden von ihren Kollegen und Nachbarn ausgesprochen herzlich aufgenommen. Insbesondere der in der Nachbarschaft wohnende stellvertretende Schulleiter Mr Bosco ist darum bemüht, sie in das tansanische Alltagsleben zu integrieren. Auch kann er ihnen helfen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn ihnen bestimmte Strukturen an der Pandahill School unverständlich vorkommen.

Aber auch die Bewältigung des Alltags gehört zu den Herausforderungen, denen sich Felix und Uhlmann stellen müssen. Man kann nicht einfach in ein Kaufhaus gehen, wo man alles, was man sucht, an einem Ort findet. Doch mit Hilfe von ihren Vorgängern, von Mr. Bosco und ihrer eigenen Neugierde haben sie sich schon gut zurecht gefunden. Hier sieht man sie beim Rückweg von ihrem Einkauf zum Hausputz. Auch sie lernen fleißig Kisuaheli und können schon einfache Kommunikationssituationen meistern.

Während Lukas schon Mitte August nach Deutschland zurückgekehrt ist, um an einem Vorkurs für sein Informatikstudium teilzunehmen, sind Joschka, Felix und Sam seit Anfang September wieder in Deutschland und bereiten ihren weiteren Werdegang vor. Sie sind alle gefordert, sich schnell wieder an den deutschen Lebensrhythmus zurückzugewöhnen, was nach einem Jahr in Afrika sicherlich auch nicht unbedingt leicht fällt.

Sowohl Joschka und Felix, als auch Lukas und Sam gilt ein ganz dickes Dankeschön für ihre sehr engagierte Arbeit an ihren jeweiligen Einsatzorten. Der Amani Kinderdorf e.V. kann stolz darauf sein, solch vorbildliche Vertreter vor Ort in Tansania gehabt zu haben. Besonders zu loben ist, wie bereitwillig sie sich auch Sonderaufgaben gestellt haben, mit denen sie der Verein beauftragt hat, ob sich das jetzt auf die Entladung des Containers bezieht oder auf die Überwindung bürokratischer Hürden bei der Besorgung der Einreisepapiere ihrer Nachfolger. Gerne hören wir, dass sie sich bereit erklärt haben, sich weiterhin im Amani-Team zu engagieren!