









von Till Vetter
Haus 1:
Da Haus 1 eines der ersten Häuser im Amani Kinderdorf war und Mama Oskar fast vom Anfang an dabei war, scheint hier alles fest etabliert zu sein. Während Mama Oskar das Essen auf dem kleinen Holzkohleofen vor der Tür des Hauses kocht, tröstet sie Lilian, da sie sich über etwas geärgert und zu weinen angefangen hat. Mama Eto, ihre Helferin, fegt den Hof und versucht die anderen Kinder so gut es geht zusammenzuhalten. Diese gehen abwechselnd Wasser am nahe gelegenen Brunnen zum Kochen oder Waschen holen oder holen Abfall-Holz aus der Schreinerei und beobachten die Schreiner bei Ihrer Arbeit. Das kann aber gefährlich werden, da man zur Belustigung aller kurzerhand in den riesigen Haufen von Sägespänen landen kann, die über den Tag dort entstehen. Manchmal verteilen sich die Kinder über das gesamte Gebiet des Dorfes und da wird es schwer, sie alle rechtzeitig zur Nachhilfe zusammen zu trommeln oder sie zum Essen zu rufen. Die Mädchen verbringen ihre Freizeit nach der Schule mit Häkeln oder Singen, was jede Woche abends mit Begeisterung geübt wird, falls Besuch zum Amani Kinderdorf kommt, der dann mit einem Konzert der Kinder begrüßt werden soll. Zu diesem Zweck laufen die Kinder manchmal tagelang in ihren Verkleidungen durch die Gegend und versuchen sich gegenseitig im Singen zu übertreffen.
Haus 2:
Nachdem Suzanna den langen Weg aus der Secondary School nach Hause geschafft hat, kocht sie Ugi, das Frühstück für den nächsten Morgen. Um sie herum singt und tanzt und singt Winifrida um den Herd herum und lässt sich auch nicht durch mehrmaliges auffordern davon abbringen. Die Jungs aus Haus 2 spielen auf dem Platz des Amani Centers Fußball, was mehr oder weniger ohne Regeln abläuft und es immer wieder kleinere Unfälle gibt. Das gefallene Kind wird aber schnellstens von den anderen wieder auf die Beine gestellt und ihm der Staub abgeklopft, damit es weitergehen kann. Das Spiel geht bis die Freiwilligen versuchen, den Traktor anzuschieben, da mal wieder die Batterie leer ist. Da wird tatkräftig zu zehnt mit geschoben und gezogen, um den Traktor auf den Hügel zu bekommen. Später gesellen sich noch einige Jungen aus den anderen Häusern dazu und sitzen mit Gekreisch in dem Landcruiser der mittlerweile den Traktor mit einer Kette anzieht. Mama Yusuf sitzt dabei seelenruhig vor dem Haus und versucht mit Mama Kamanga von Haus 6 auf Englisch zu beschreiben, was sie gerade kocht.
Haus 3:
Haus 3 steht in einem Kreis mit Haus 4 und 5. Hier treffen sich oft die Mamas der anderen Häuser auf der großen Terrasse und bereiten das Essen vor. Auch Haus 3 hat ein neues Bild an einer Wand bekommen, nachdem das alte schon teilweise abgeblättert war. Jetzt ziert eine Reihe von kleinen gemalten Kindern die Wand direkt am Eingang des Hauses. Sobald einer der Freiwilligen vorbeikommt, wird er direkt von den Kindern überfallen und zum Spielen veranlasst. Hat er dabei noch eine Kamera, ist bald der ganze Platz von Haus 3 mit Kindern bevölkert, die alle einmal mit auf einem Foto sein wollen, um sich danach lauthals über ihre Gesichtsausdrücke auf den Fotos kaputt zu lachen. Die Stimmung ist immer ausgelassen und die Kinder verbringen durch den großen Platz in der Mitte der Häuser verbunden die meiste Zeit des Tages spielend und auch arbeitend mit den Kindern aus Haus 4 und 5 zusammen. Sei es zum Seil springen oder beim Waschen der Schuluniformen am Donnerstag Nachmittag.
Haus 4:
Haus 4 hat nach einem Maltag der Kinder ein neues Bild an einer Wand bekommen, auf das man immer blickt, wenn man ins Haus geht. Mama Paolo und die Kinder haben daran fleißig mitgewirkt und konnten bestimmen wie es letztendlich aussieht. Mama Paolo sitzt draußen auf der Terrasse und kocht das Essen für die Kinder, wobei Tasiana ihr oft zur Hand geht. Zawadi trägt währenddessen Betty, Mama Paolos Kind, durch die Gegend, um sie vom Weinen abzuhalten. Haus 4 ist immer ein beliebter Treffpunkt der anderen Haus-Mamas und oft wird während des Kochens getratscht und die Kinder wuseln hin und her und versuchen, mit Steinen zu Jonglieren. Lightness und Eliza spielen mit selbstgebastelten Autos aus Flaschen und Deckeln als Räder. Als die Sonne untergeht werden alle Kinder zum Essen gerufen, was einige Zeit dauert, da viele auch auf dem nahegelegenen Feld Unkraut aus dem Boden rupfen. Nach dem Händewaschen spricht Happy das Tischgebet. Da sie die älteste in Haus 4 ist, wird sie teilweise schon mit in die Erziehung der Kinder mit eingebunden, wie es in Tansania üblich ist.
Haus 5:
Haus 5 wird von Mama Stan und Mama Baracka geleitet. Als einzige Jungen in diesem Haus haben Clement und Joseph es manchmal nicht leicht, mit einem ganzen Haus von Mädchen fertig zu werden. Joseph kann, nachdem er aus der Schule gekommen ist, mit den Jungen aus den anderen Häusern Fußball spielen, während Clement, weil er noch zu klein ist, seine Zeit bei Mama Stan verbringt. Apia und Herieti bringen sich in ihren Zimmern gegenseitig das Häkeln von kleinen Tischdecken bei, während ihnen die anderen gespannt zuschauen oder versuchen, Hausaufgaben zu machen. Um 4 Uhr treibt Mama Stan alle Primary School Kinder zur Englisch-Nachhilfe in die Hall, da sie selbst begeistert daran teilnimmt. Dort werden Briefe für Deutschland geschrieben oder das Sagen von Uhrzeiten und Begrüßungen gelernt. Nach der Nachhilfe bleibt noch etwas Zeit zum Spielen auf dem Platz vor dem Haus oder zum Seilspringen in Konkurrenz mit Haus 3. Bis es für alle Essen gibt, vergeht die Zeit schnell und da alle morgens früh raus müssen, geht es danach für alle ins Bett, auch wenn man noch lange das Lachen der Kinder durch die Türen hören kann.
Haus 6:
Haus 6 ist das neueste Haus im Amani Kinderdorf und wird von Mama Kamanga geleitet. Sie ist gleichzeitig die Matrone des Dorfes und in den meisten Belangen Mama Ericas rechte Hand. Seid es die Englisch-Nachhilfe für die Mitarbeiter des Dorfes gibt, lernt sie begeistert mit Mama Yusufu von gegenüber Englisch zu sprechen und alle Freiwilligen werden fortan nur noch auf Englisch begrüßt, auch wenn diese versuchen, mehr Suaheli zu lernen. Auf dem Boden vor dem Haus sitzend, flechtet ihr Mama Karo die Haare. Immakulata und Diana sind zu Besuch, da sie beide Internate weiter entfernt besuchen, sind sie nur selten während der Ferien im Dorf. In Haus 6 leben viele der Neuankömmlinge des Dorfes, aber alle haben sich schon gut eingelebt. Dickson und Mashaka sind als die beiden Ältesten des Hauses schon komplett in den Alltag mit Arbeit und Schule eingebunden, wobei die Jüngeren, wie die Zwillinge Afida und Abitho oder Joshua und Estelina, frei haben, um mit den anderen Kindern auf dem Platz vor den Häusern zu spielen. Haus 6 soll demnächst auch ein Bild an einer der Wände bekommen und die Kinder überlegen sich gespannt, wann es endlich soweit sein wird.