Amani-Kinderdorf

Jahresbericht 2009

Bericht der Managerin des Amani Kinderdorfes in Kilolo, Mama Erica Mwakalebela

Kinder:

Das 6. Kinderhaus wurde Anfang des Jahres bezugsfertig, und wir konnten weitere Kinder aufnehmen. Aufgrund der großen Zahl bedürftiger Kinder haben wir 17 anstatt der geplanten 12 Kinder genommen. Vater Viktor, von der Katholischen Gemeinde Kilolo, hat uns bei der Beurteilung der Bedürftigkeit der Kinder geholfen. Weitere Kinder wurden uns vom Leiter des Sozialamts Kilolo gebracht, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten.

Die wichtigste Aufgabe für mich und alle Mitarbeiter im ersten Quartal des Jahres war die Integration der neuen Kinder. Wir mussten uns gegenseitig kennen lernen und herausfinden, welche Art Hilfe von den einzelnen Kindern benötigt wurde. Glücklicherweise haben wir sehr gute und engagierte Hausmütter, die die Waisenkinder wie ihre eigenen Kinder betrachten.

Die stellvertretende Leiterin, Mary Kamanga, zog in das neue Haus und nahm diejenigen Kinder aus ihrem vorherigen Haus, die ihrer besonderen Vorsorge bedurften, mit, sowie einige der neuen Kinder. Die anderen Neuen wurden über die restlichen fünf Häuser verteilt, um die Integration zu erleichtern. Wir versuchen, jedes Haus wie eine richtige Familie einzuteilen, mit größeren und kleineren Kindern und Kindern mit unterschiedlichen Temperamenten. Bevor sie zu uns kommen, sind die Kinder oft von Hand zu Hand in der Verwandtschaft weitergereicht worden. Es dauert nicht lange, bis sie das Amani Kinderdorf als ihr Zuhause ansehen.

Die Mehrheit der neuen Kinder hat sich gut eingelebt. Zwei Kinder haben so viele Probleme verursacht, dass sie leider in ihre alte Umgebung zurückgeschickt werden mussten. Mit zwei weiteren Kindern, die stehlen und gewalttätig sind, haben wir noch Probleme, hoffen aber, dass sie sich bessern werden.

Im März mussten wir drei weitere Kinder aufnehmen, deren Familienhintergrund so schlecht war, dass sie nicht mehr dort bleiben konnten.

Zwei Jungen, die seit fünf Jahren im Kinderdorf wohnten, sind zu ihrem Onkel gezogen, der nun willens und in der Lage ist, sie zu versorgen. Diese Entscheidung wurde in enger Zusammenarbeit mit zwei Priestern der italienischen Mission der Barfuß-Brüder getroffen, die den Onkel gut kennen und weiterhin die Familiensituation beobachten werden. Die ältere Schwester hat sich entschieden, lieber bei uns im Kinderdorf zu bleiben.

 

Unsere neue Kindergarten- und Vorschul-Lehrerin leistet sehr gute Arbeit mit den kleineren Kindern. Einige der Hausmütter haben eigene Kinder, die mit ihnen im Kinderdorf wohnen und ebenfalls zu unserem Kindergarten gehen.

Die älteren Kinder, von Klasse 1 bis 7, besuchen die öffentliche Schule im eigentlichen Dorf Kilolo. Sie gehen 45 Minuten zu Fuß durch den Wald zur Schule, meistens in Gruppen, wobei die kleineren Kinder von einem unserer Mitarbeiter begleitet werden. Die Mehrzahl der Klassen hat eine Schülerstärke zwischen 60 und 100 Kindern mit einem Lehrer. Viele Familien können sich Stifte und Hefte für ihre Kinder nicht leisten. Darum haben wir in diesem Jahr in Abstimmung mit der Schule einige notwendige Artikel gespendet.

Zwei unserer Mädchen besuchen die weiterführende Schule (Klasse 8-11) in 6 km Entfernung. Sie teilen sich ein Fahrrad, um hin und her zu kommen.

Die Kinder, die weiterführende Schulen als Internatsschüler besuchen oder in der Berufsausbildung sind, wohnen meistens in ihren bisherigen Häusern an freien Wochenenden oder während der Ferien, wenn sie im Kinderdorf helfen. Die Anzahl dieser Kinder steigt und wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Wir haben entschieden, dass – wenn möglich – diese Kinder in den unterrichtsfreien Zeiten in ihre Heimatdörfer zurückkehren sollen, um ihren Verwandten zu helfen. Amani Kinderdorf wird sie weiterhin unterstützen und für ihre weitere Ausbildung sorgen und aufkommen, in enger Zusammenarbeit mit den Verwandten und den jeweiligen Schulen bzw. Ausbildungsstätten. In diesem Jahr habe ich alle Schulen besucht, in die unsere Kinder gehen und mit den Schulleitern und Klassenlehrern die weitere Entwicklung der Kinder besprochen.

Die Kinder, die in diesem Jahr die Abschlussprüfung für Klasse 7 absolvieren mussten, haben Nachhilfe-Unterricht von Bruder Christopher von der SCIM Mission erhalten. Im August kam ein neuer Freiwilliger aus Deutschland. Er ist ausgebildeter Lehrer und arbeitet als Englisch-Lehrer bei der weiterführenden Schule in Kilolo. Zusätzlich erteilt er unseren Kindern Englisch-Unterricht auf verschiedenen Ebenen an zwei Nachmittagen der Woche.

 

In diesem Jahr haben wir keine ernsthaften Gesundheitsprobleme gehabt. Einige Kinder sind jedoch häufiger kränklich. Ein Junge benötigt oft ärztliche Behandlung; aber bisher hat kein Arzt die Ursache für sein Kranksein gefunden. In Kidabaga ist ein neues Krankenhaus und Gesundheitszentrum entstanden, das näher liegt als Iringa. Die Krankenberichte unserer Kinder sind dorthin verlegt worden. Ein Arzt des Kidabaga Zentrums war im Kinderdorf und hat alle Kinder untersucht.

 

Fast alle Kinder verbringen ein Teil ihrer Schulferien in ihren Dörfern mit Verwandten. Die Mehrzahl wird gebracht und geholt von einer Hausmutter oder Helferin. Dadurch bleiben wir mit den Restfamilien in Kontakt und können die häusliche Umgebung beobachten.

 

Farm und Garten:

Die schweren Regenfälle am Anfang des Jahres haben viele Gemüsepflanzen fortgespült, die nachgepflanzt werden mussten. Wir haben den Garten erweitert und eine zusätzliches Stück tiefer liegendes Land kultiviert, das in der Trockenzeit nicht so vieler Pflege bedarf.

Im Garten sind je nach Jahreszeit sechs bis zehn Frauen als Tagelöhner beschäftigt, die aus den umliegenden Dörfern kommen.

Der Wassermangel in der Trockenzeit bleibt ein großes Problem. Wir hoffen, dass das neue Wassersystem, das am Jahresende installiert wurde, im nächsten Jahr Besserung bringt.

Die Mais-Ernte war ausgezeichnet und wir haben einen Überschuss von 50% erwirtschaftet. In diesem Jahr hat Rt. Rev. Tarcisius Ngalalekumtwa, Bischof von Iringa, uns wieder geholfen, den gesamten Reisbedarf für das Kinderdorf zu einem sehr niedrigen Preis zu sichern.

Wir haben bereits viele neue Obstbäume und 2500 Setzlinge zum Aufforsten der Gegend gepflanzt. Bis jetzt sind unsere Bemühungen, weiteres Land zum Wieder-Aufforsten zu bekommen, nicht erfolgreich gewesen. Wir hoffen, dass das zuständige Gemeindeamt in Kilolo uns behilflich sein wird.

Die Probleme mit dem Traktor sind schlimmer geworden, und wir haben Angst, dass er uns in den nächsten Monaten wieder im Stich lassen wird, wo wir ihn am meisten zur Bestellung der Felder am Anfang der Regenzeit brauchen. Trotz neuer Reifen ist er inzwischen in so schlechtem Zustand, dass Reparaturen sehr teuer sind und sich kaum lohnen. Wir haben mit den Brüdern der SCIM-Mission gesprochen und um ihre Hilfe gebeten. Leider haben sie jedoch kaum freie Kapazitäten.

 

Nutztiere:

Das Hühner-Projekt ist sehr erfolgreich. Wir produzieren inzwischen nicht nur ausreichend Eier für die Kinder und Mitarbeiter des Kinderdorfs sondern haben manchmal mehr als wir brauchen und können sie verkaufen, meistens an Mitarbeiter.

Die Hähnchen erlauben Fleischmahlzeiten für die Kinder und wir haben die bereits gegessenen durch neue ersetzt.

Das Schweine-Projekt läuft ebenfalls gut.

 

 

Personal und Verwaltung:

Wir haben einige neue Hausmütter und Helferinnen, um freie Stellen zu besetzen, die häufig dadurch verursacht werden, dass Mitarbeiterinnen nach der Baby-Pause nicht zurückkehren. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist sehr gut. Alle arbeiten hart und leisten durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Talente einen positiven Beitrag zum Leben im Kinderdorf.

Für die Mitarbeiter haben wir einige Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt und der neue deutsche Freiwillige gibt ihnen einmal die Woche Englisch-Unterricht, an dem auch die männlichen Mitarbeiter teilnehmen.

Der Bischof von Iringa, Rt.Rev. Tarcisius Ngalalekumtwa, zeigt immer großes Interesse am Wohlergehen des Kinderdorfs und unseren Aktivitäten und hat stets ein offenes Ohr für unsere Probleme.

Vater Viktor, Leiter der katholischen Gemeinde Kilolo, wurde vor kurzem durch einen neuen Leiter, Vater Wilson, ersetzt, der bereits mehrmals im Kinderdorf war und seine Bewunderung für unsere Arbeit geäußert hat.

Bruder Christopher von den SCIM-Brüder gibt nicht nur Unterricht für die größeren Kinder bei Bedarf, sondern bleibt unser Freund und Helfer in jeder Lebenslage.

In diesem Jahr hat der Beirat (Advisory Board), mit Mitgliedern von der Diözese, des Gemeinderats, Amani Centre Kilolo und Amani Kinderdorf e.V. Deutschland, zweimal getagt, um Aktuelles zu diskutieren und Pläne für zukünftige Aktivitäten zu beraten.

In diesem Jahr hatten wir viele interessierte Besucher, von denen einige großzügige Spenden an das Kinderdorf leisteten. Mehrere Mitglieder des Vorstandes von Amani Kinderdorf e.V. Deutschland waren hier und haben uns geholfen, Entscheidungen zu treffen und uns wertvollen Rat gegeben.

Die Finanzprüfer aus Deutschland waren zweimal hier, um die Buchhaltung zu prüfen und bestätigten, dass unser Buchhalter, Mr. Mwakalebela, die Konten korrekt und detailliert geführt hat. Das aus Deutschland überwiesene Geld wurde zweckentsprechend und im besten Interesse der Kinder ausgegeben.

 

Schneiderei:

Unsere langjährige Leiterin hat uns Ende August verlassen. Gabriele, die bereits einige Jahre als Mitarbeiterin tätig ist, hat die Leitung übernommen und die Schneiderei problemlos weitergeführt. Die Schneiderei produziert nach wie vor sämtlich Schuluniformen und -pullover für die Kinder im Kinderdorf und verkauft kleine Mengen an die örtliche Bevölkerung.

Eine junge Frau aus einem Nachbardorf hat eine sechsmonatige Lehre in der Schneiderei erfolgreich absolviert, und wir hoffen, diese Möglichkeit weiteren jungen Mädchen anbieten zu können.

 

Schreinerei:

Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich die beiden weiblichen Freiwilligen, die von September 2008 bis Oktober 2009 bei uns waren,  im Kinderdorf sehr beliebt gemacht. In der Schreinerei haben sie sehr hart und kompetent gearbeitet und sich den Respekt sowohl der tansanischen Schreiner, als auch der Kunden verdient. Die Schreinerei fängt an, einen kleinen finanziellen Beitrag zum Unterhalt des Kinderdorfs zu leisten und führt viele Arbeiten für das Kinderdorf aus. Die neuen Freiwilligen, die im August 2009 gekommen sind, haben sich schon etwas eingelebt und die Sprache gelernt.

 

Pläne für 2010

83 Kinder, die im Kinderdorf leben, 20 Jugendliche in der Berufsausbildung oder Internate außerhalb des Kinderdorfs, 25 Festangestellte und ca. 10 Teilzeitbeschäftigte, Farm und Garten bedeuten jeden Tag neue Überraschungen und Herausforderungen. Unser Hauptanliegen ist es, weiterhin so gut wie möglich für die Kinder und Familien, die von uns abhängig sind, zu sorgen.

Die zunehmende Anzahl der älteren Kinder zwingt uns, mehr Aufmerksamkeit darauf zu richten, sie in das Leben außerhalb des Kinderdorfs zu führen und für sie die richtige Schule oder Berufsausbildung zu finden.

Wir werden die Weiterbildung unserer Mitarbeiter fortsetzen, um sie für die Arbeit im Kinderdorf und die zunehmenden Anforderungen der modernen Welt zu qualifizieren.

Das ursprüngliche Gästehaus wurde in diesem Jahr umgebaut und erweitert. Zurzeit beherbergt es die deutschen Freiwilligen. Ein neues Gebäude, das mit der Unterstützung von „weltwärts“ gebaut wurde, wird bald fertiggestellt. Dort werden die Freiwilligen einziehen, und das alte Gästehaus wird für die größeren Kinder eingerichtet, die in Kilolo oder auswärts weiterführende Schulen besuchen. Dort ist ausreichend Platz für Schreibtische und Ruhe zum Studieren.

 

Im Namen der Mitarbeiter und Kinder des Amani Kinderdorfs Kilolo möchte ich mich bei allen bedanken, die die Arbeit des Amani Kinderdorf e.V. unterstützt haben und uns dadurch ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglichen.

 

Gott segne Sie!

Erica Mwakalebela

Manager

 

Dezember 2009