Amani-Kinderdorf

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Ein Tag im Amani Kinderdorf

von Sophie Hermanns

Wenn morgens gegen 6 die Sonne aufgeht in Tansania, ist das Amani Centre in Kilolo schon längst erwacht. Um diese Uhrzeit stehen alle Kinder bereit, zur Schule zur gehen, nachdem sie bereits gefrühstückt und kleine Kämpfe um einen guten Platz im Badezimmer ausgetragen haben. Bevor jedoch die Primary Students zu Fuß zur 3 km entfernten Schule aufbrechen und die Secondary Students ihre Fahrräder aus dem Schuppen holen, um damit zur sieben Kilometer entfernten Kilolo Secondary School zu radeln, macht die Dorfleiterin Mama Erica einen Rundgang, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.

Wenn die Kinder in den Schulen sind, beginnen die Hausmütter die Kindergartenkinder zu versorgen, damit diese um 9 bereit sind, das Einmaleins und das Alphabet zu lernen. Die Kindergärtnerin Ombeni Chaula hat immer alle Hände voll zu tun mit den kleinen Rabauken. Damit die Kinder ausgelastet sind und trotzdem etwas lernen, wird zwischendurch immer gespielt und durch Singen gelernt. Die Kinder sind immer mit Spaß bei der Sache und manchmal sogar etwas übermütig, so kommt es vor, dass der Kleinste, aber nicht Jüngste unter ihnen, Clemens, anfängt den Ton anzugeben oder Spielzeuge für sich reklamiert. Die anderen Kinder holen ihm dann den Fußball oder ein Springseil. Das Spielchen geht aber nur so lange, bis Ombeni es merkt und alles wieder gerecht verteilt. Bei den Jungen ist Clemens derjenige, der genau weiß, was er will, während es bei den Mädchen Lilian aus Haus 1 ist, die schon fast ihr ganzes kurzes Leben im Amani Centre lebt. Lilian weiß ihren Charme genau einzusetzen und erobert so einiges, was sich die Gruppe, die um sie geschart ist, gerade so wünscht.

Während die Kleinsten also schwer beschäftigt sind, fangen Gabriela und Tasiana in der Schneiderei an zu arbeiten. In den Ferien trifft man dort auch häufig andere ältere Mädchen an, wie z.B. Ziwilie, die helfen oder versuchen, sich selber etwas zu schneidern.

Wenn alle Kinder aus den Häusern sind, fangen die Mamas an aufzuräumen, um sich danach bei einer Tasse Tee über die Neuigkeiten aus Kilolo und Umgebung auszutauschen. Mama Stan und Mama Barracka, Mama Stans alte Helferin, scherzen dabei besonders gerne und treiben auch ihre Späße mit den Freiwilligen, während Mama Oscar und Mama Kamanga einen Abstecher zu Mama Erica machen, um über die Kinder zu reden. Mama Lucy und Mama Paulo haben die kleinsten Kinder bei sich, die noch nicht in den Kindergarten gehen, und sind damit beschäftigt alle zusammenzuhalten, wobei Mama Happy gerne hilft. Danach fangen alle zusammen an das Essen vorzubereiten.

Gegen  1 Uhr mittags kommen die Primary Students zum Essen nach Hause. Dabei scheinen sie es aber nicht eilig zu haben. Fatinesi wippt auf einem halb abgebrochenen Ast und singt ein Lied, während Etio Eukalyptusblätter von den Sträuchern rupft und sie in der Hand zerreibt, weil danach die Hände so gut riechen. Inyasia, Kulwa und Doto sitzen daneben in der Sonne und tuscheln geheimnisvoll.  Wenn dann alle im Amani Centre eingetroffen sind, setzen sich in den Häusern alle zum Essen zusammen. Eliya aus Haus 6 freut sich besonders, wenn es Kande gibt, ein Gemisch aus Mais und Bohnen. In diesem Essen sind nämlich noch ganze Maiskörner, die man auf dem noch warmen Herd poppen lassen kann.

Nach dem Essen kehren die Kinder wieder in die Schule zurück und die Mamas treffen sich am Waschplatz.

Zwischen halb 5 und halb 6 kommen nun alle Kinder nach und nach von den Schulen nach Hause. Nachdem sie schnell etwas Essen zu sich genommen haben, können sie endlich spielen oder eben das machen, was sie wollen.

Olitha hilft gerne im Haushalt und holt Wasser, während die Mädchen sich kleine Handtaschen häkeln. Dickson und Mashaka sägen die großen Baumstümpfe entzwei, die auf dem Gelände stehen, auf dem Mais angebaut werden soll. Als Daudi hinzukommt, der schon Ferien hat, dürfen sie die Baumstümpfe sogar anzünden. Der Baumfackel gucken alle drei begeistert zu, und auch andere Kinder kommen hinzu, während Linus aus einiger Entfernung unbemerkt über das Spektakel wacht.

Suzanna hingegen öffnet die Bücherei und liest den Kleineren etwas vor. Martina sitzt daneben und spielt Lehrerin. Suzanna ist die Schülerin, die vorlesen soll und erklären muss, worum es in den Büchern geht.

Laineth kocht sich Kleinigkeiten oder macht sogar Mandazi, kleine Hefebrötchen, wenn gerade die Zutaten im Haus sind.

Von halb 6 bis halb 7 gehen die Secondary Students zur Nachhilfe, um Fragen zu klären, die in der Schule aufgekommen sind. Oft bleiben sie auch länger, weil sie dort Ruhe haben vor den kleineren Kindern und sich gut unterhalten können. Gerade Suzanna und Salama, die Ältesten unter ihnen, haben immer viel zu erzählen. Die größeren Jungen, allen voran Dickson, zieht es noch schnell auf den Fußballplatz, bevor es dunkel wird.

Sobald die Sonne untergegangen ist, halten sich die meisten in den Häusern auf und lassen den Tag beim Abendessen gemütlich ausklingen. Manchmal wird sogar noch gesungen und getanzt, was Octavina aus Haus 1 sehr begeistert, weil Singen ihre Leidenschaft ist. Spätestens um 10 Uhr wird das Abendgebet gesprochen, und nach und nach verschwinden alle in ihren Betten.