Durch die Instandsetzung eines nahe gelegenen Wasserkraftwerks wurde es möglich, eine dorfeigene Schreinerei zu betreiben.
In der Schreinerei werden in Lohnarbeit Bretter und Bohlen abgerichtet, gehobelt, genutet und gefräst. Es werden Fenster und Türen gefertigt, Möbel für den Bedarf des Kinderdorfs hergestellt und Reparaturen im Kinderdorf erledigt.
Geplant ist, die Schreinerei als Ausbildungsbetrieb weiterzuentwickeln. In der waldreichen Umgebung des Kinderdorfes ist eine Berufsausbildung als Schreiner eine gute Chance für junge Menschen, ihren Lebensunterhalt zu sichern, sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe.
Zurzeit arbeiten fünf tansanische Schreiner in der Schreinerei. Außerdem leisten zwei deutsche Schreiner mit abgeschlossener Schreinerlehre hier einen Freiwilligendienst.
Wir, Arne und ich, sind die 4. Generation deutscher Freiwilliger, die ein Jahr in der an das Kinderdorf angebundenen Schreinerei gearbeitet haben. Die Werkstatt wurde errichtet, um die Schreiner aus der Umgebung zu unterstützen. Jeden Tag haben die Handwerker lange Wege auf sich genommen, um sich ihre Bohlen bei uns hobeln, abrichten und sägen zu lassen. Wir arbeiten mit 3 festangestellten tansanischen Schreinern zusammen, die zum Teil jeden Morgen 2 Stunden mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Die Maschinen, mit der die Werkstatt ausgestattet ist, kommen fast alle aus Deutschland.
Um unsere Arbeitsweise noch verbessern zu können, brauchen wir als Nächstes eine Kantenschleifmaschine, eine Langbandschleifmaschine und für unsere Bettfüße eine Drechselmaschine.
Unsere Mitarbeiter haben in ihrer Ausbildung alle das Drechseln gelernt. Hier in Tansania wird sehr traditionell gebaut. Sie verwenden gedrechselte Stege und Füße auch für Tische, Stühle und Sofas. Die Maschinen hier zu kaufen ist keine Alternative. Sie sind qualitativ sehr minderwertig und es wäre verlorenes Geld.
Für mich war es eine gute Erfahrung, die Arbeitsweise der Tansanier kennen zu lernen und ich hoffe, ich konnte auch mein Wissen an unsere Mitarbeiter weitergeben. Der zwischenmenschliche Austausch stand bei mir immer im Vordergrund. Ich hatte die Chance, für ein ganzes Jahr in einem fremden Land zu wohnen, zu leben und ein wenig Einblick in die Bräuche einer anderen Kultur zu bekommen.
Wir haben Rogatus vor etwa einem Jahr offiziell zu unserem Mitchef gemacht. Er konnte sich viel von uns abgucken und arbeitet schnell und sauber. Ich konnte in dem letzten Jahr beobachten, wie alle unsere tansanischen Mitarbeiter gelernt haben, immer vorausschauender und koordinierter an die Arbeit zu gehen.
Obwohl ich in Deutschland gerade erst meine Gesellenprüfung abgeschlossen hatte, konnte und musste ich hier Dinge in der Schreinerei bewerkstelligen, organisieren und koordinieren, die in Deutschland nur ein Meister übernimmt. Ich bin an dieser Aufgabe gewachsen und konnte die Werkstatt, zusammen mit Arne, ein ganzes Stück voranbringen.
Es war ein schönes, erfolgreiches und spannendes Jahr.
Vielen Dank an alle, die uns diese Zeit ermöglicht haben.