Amani-Kinderdorf

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Unsere Schreinerei: Hilfe zur Selbsthilfe

Durch die Instandsetzung des Wasserkraftwerkes wurde es möglich, eine dorfeigene Schreinerei zu betreiben. Da unsere Schreinerei der einzige Betrieb in der Umgebung ist, der über einen Stromanschluss verfügt, können hier auch Vorarbeiten für die Schreiner der Umgebung ausgeführt werden, die sie bisher im 45km entfernten Iringa ausführen lassen mussten. Wegen der schlechten Transportwege waren manche dieser Leistungen nur sehr teuer einzukaufen.

In der Schreinerei werden in Lohnarbeit Bretter und Bohlen abgerichtet, gehobelt, genutet und gefräst. Es werden Fenster und Türen gefertigt, Möbel für den Bedarf des Kinderdorfes hergestellt und Reparaturen im Kinderdorf erledigt. 

Damit leistet die Amani-Schreinerei einen nicht unerheblichen Beitrag zum Unterhalt des Kinderdorfes. Außerdem leistet sie  auch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der Umgebung des Kinderdorfes.

Zur Zeit arbeiten drei tansanische Schreiner und ein tansanischer Auszubildender in der Schreinerei. Außerdem leisten zwei deutsche Schreiner mit abgeschlossener Schreinerlehre hier einen Freiwilligendienst. 

Auszüge aus dem Abschlussbericht unseres Schreinerfreiwilligen Mathias Mundt, Oktober 2008

Mathias bei der Arbeit

Die Schreinerei ist ein mittelständiger Betrieb, der in einer sehr ländlichen Region stationiert ist. Wir haben im Umkreis von 25km eine absolute Monopolstellung, da wir die Einzigen sind die durch das installierte Wasserkraftwerk Strom haben.

Der Alltag in der Schreinerei setzt sich hauptsächlich aus der Laufkundschaft, die mit den rohen Schnittbohlen kommen und ihr Holz maschinell bearbeiten lassen, und den Großaufträgen zusammen. Dazu kommen noch viele Nebenbeschäftigungen, wie Reparaturarbeiten im Kinderdorf, der Schreinerei, bei Brother Christopher, im Kraftwerk oder Pannenhilfe von diversen Fahrzeugen. Zusätzlich zu diesen Aufgaben fällt die Erledigung diverser Arbeiten für das Kinderdorf an.

Wir fertigen vor allem Türen und Fenster. Der Maschinenpark der Schreinerei ist auf diese Auftragsart ausgelegt. Für die Schreinerei ist es möglich, monatlich bis zu 30 Türen zu bauen und diverse andere Aufträge, sowie die Laufkundschaft zu bewerkstelligen.

Die Kundschaft der Großaufträge sind meistens Leute der Regierung, die Kirche, Architekten oder andere Leute mit einem höheren Monatseinkommen. Für Amani und das Kinderdorf bauen wir nur, wenn uns ein Auftrag von Mama Erika oder dem Amanivorstand erteilt wird. Alle Arbeiten müssen mit Mama Erika abgesprochen werden.

Der Großteil der Aufgaben im Kinderdorf sind Reparaturen und Wartungsarbeiten. Es fallen auch kleinere Elektroarbeiten (Steckdose, Lichtkreis), Schweißarbeiten und Dachdeckerarbeiten in den Aufgabenbereich der Schreinerei. Wenn Amani weiter ausbaut, wie Haus Nr. 6, Gästehaus oder das neue Kinderdorf Kitwiru, fällt der Auftrag von Fenstern, Türen und Möbeln auch der Schreinerei zu.

Da es in Tansania keinen Kundendienst gibt, müssen alle Pflegedienste (Messer schleifen, Sägeblätter löten etc.), Reparaturen und Werkzeugbesorgungen auch von den Freiwilligen übernommen werden. Diese Arbeiten werden alle in dem 45km nördlich liegenden Iringa erledigt.

Die Buchhaltung, die ebenfalls von den Freiwilligen geführt wird, besteht aus der Abrechnung der Laufkundschaft, der Großaufträge für Amani und der normalen Kundschaft, sowie der Abrechnung der Ausgaben. Alle Einnahmen werden am Monatsende an Mama Erika übergeben. Eine Abrechnung wird monatlich an das Ehepaar Eule, unsere deutsche Finanzkontrolle, geschickt.

Derzeitiges Inventar der Schreinerei
Stationäre Maschinen:
2 Abrichthobelmaschinen, Dickenhobelmaschine, Formatkreissäge, Fräse, 2 Bandsägen, Kettenstemmfräse, Kompressor, 2 Schweißgeräte, 2 Messerschleifer, 2 Absauganlagen
Handmaschinen:
Flex, 3 Schlagbohrmaschinen, 2 Akku Schrauber, Elektrohobel, 2 Bandschleifer, Handkreissäge, Stichsäge, Handoberfräse, Heißluftföhn
Handwerkzeug:
Alles was der Schreiner braucht

Feste Mitarbeiter
Mathias Mundt (seit August 2007 / bis Oktober 2008)
Timoth Mbegalo (seit Februar 2007)
Rogatus Magota (seit Dezember 2007)
Wilbat Chota (seit Januar 2008)
Azubi Simoni (seit April 2008)
Karolina Erbelding (seit August 2008)
Ursula Thewes (seit August 2008)

Kinderdorf
Das Leben in dem Kinderdorf habe ich sehr genossen. Ich wurde von Anfang an herzlich aufgenommen, und es ist ein Gefühl von einem großen Familienbündnis entstanden. Durch die Einbindung in der Schreinerei ist nicht allzu viel Zeit, um sich eingehend mit den Kindern zu beschäftigen, aber es war immer wieder schön, mit den Kindern abends Fußball oder Karten zu spielen. Eine wunderschöne Erfahrung war es, wie manche von den Jungs stets in ihrer Freizeit in der Schreinerei vorbeigekommen sind, geholfen haben, sich haben Sachen zeigen lassen und etwas lernen wollten. Auch mit den Hausmüttern bin ich sehr gut zurecht gekommen und habe gerne die freie Zeit mit ihnen verbracht. Ganz besonders möchte ich Mama Erika dafür danken, wie gut wir dieses Jahr zusammen verbracht haben. Wir haben oft abends zusammengesessen und über alles mögliche geredet. Durch den Generations- und Kulturunterschied und den Kontakt zu Deutschland hatten wir manchmal Diskussionspunkte, konnten diese aber stets klären. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an alle aus dem Kinderdorf.

Resümee
Mein Jahr hier in Tansania, war eine unglaubliche Lebenserfahrung, welche ich jedem Jugendlichen wünschen kann. Ich hatte ein sehr ereignisreiches Jahr in der Schreinerei, welches mich fachlich und in meiner Lebenserfahrung sehr viel weiter gebracht hat. Auch dass die Einsatzstelle auf dem Land ist und man daher mehr die Möglichkeiten hat, die Sprache und die Kultur kennen zu lernen, habe ich sehr begrüßt.

Das Stromproblem in der Schreinerei, welches sich von Dezember bis Mitte Juni hingezogen hat, hat das Arbeiten sehr erschwert und den Aufbau verzögert. Hier an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank an Paul Josef Lohmann und Josef Deutskens für die Behebung dieses Problems. Trotzdem hat es dem wunderbaren Jahr keinen Abbruch getan, und ich hatte jetzt auch noch 2 ganze Monate, in denen ich voll arbeiten konnte.

Dass ich ab März fest von Matthias Schmidt betreut wurde, hat sich auch nochmals äußerst positiv auf das Arbeitsklima und den Kontakt zu Amani ausgebreitet. Hier auch tausend Dank an Matthias Schmidt.

Das Jahr ist wie im Flug vergangen. Am Anfang denkt man sich man hat so viel Zeit und kann alles bewerkstelligen, aber ehe man sich versieht, geht es auch schon wieder dem Ende zu und man muss sehen das man die wichtigsten Sachen noch abschließt. Als ich damals durch Kornelia Nehring auf das Projekt aufmerksam gemacht und angeworben wurde, war während der super Vorbereitungszeit alles noch so fern, und ganz andere Dinge präsent. Jetzt habe ich den Rückblick auf ein wunderschönes Jahr, welches durch die intensive, herzliche und äußerst gute Betreuung von unserer Supervisorin Kornelia Nehring erst ermöglicht wurde. Auch hier nochmals tausend Dank für all die Mühe und gute Arbeit.

Das Loslassen und Auf Wiedersehen sagen ist mir überraschend schwer gefallen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Kinder, das Dorf und die Schreinerei so ans Herz wachsen. Ich wusste von Anfang an, dass meine Zeit begrenzt ist und wollte daher auch meine Gefühle distanziert halten. Aber Gefühle lassen sich nicht vollkommen lenken und schon gar nicht wenn die Kinder einem so viel Liebe entgegenbringen.

Allen Beteiligten die mir dieses Jahr ermöglicht haben recht herzlichen Dank an dieser Stelle.